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zwei weitere umstrittene Weinerlebnisse: Alkoholfreier Muscat und Orange Wein

Alkoholfreier weisser Spanier

Vor kurzem probierte ich zum ersten mal einen alkoholfreien Wein von einem renommierten Hersteller (Torres, Spanien). Meine Beurteilung war ziemlich vernichtend. Ich versprach aber, auch noch den Weissen zu testen. Was ich nun tat.

Im Gegensatz zum roten alkoholfreien Torres ist dieser weisse wenigstens etwas aromatisch und damit klar besser. In der Nase fruchtig und im Gaumen wie Traubensaft. War zu erwarten bei Muscat Trauben. Er erinnert mich an den Schweizer Rimuss Kinder-Champagner, nur weniger süss. Für mich ist aber auch dieser „De-alcoholised“ ein No-Go. Wie beim roten fehlt der Abgang total. Ich bin aber so weltoffen, zu gestehen, dass ich natürlich auf „normalen“ Wein getrimmt bin. Déformation proféssionelle? Man müsste den Wein mal zusammen mit einem alkoholischen einer Person zum degustieren geben, die noch nie im Leben Wein getrunken hat. Müsste wohl ein Kind sein und ist ziemlich hypothetisch.

Ich würde gerne alkoholfreien Wein trinken unter der Woche, aber so bleib‘ ich lieber bei Hahnenwasser…

Orange Wein

Auf das zweite Experiment war ich wesentlich besser vorbereitet. Orange Weine sind aktuell total hip und es wird viel geschrieben darüber in der Fachpresse. Mehrheitlich eher negativ. Orange gilt als super natürlich, und somit als Bio und Öko und was auch immer. Im Prinzip ist es total einfach: Orange Wein ist Weisswein, der wie ein Rotwein hergestellt wird. Also ganze Trauben in den Gärbehälter und dann mitsamt Häuten und Kernen keltern und vergären. Anschliessend den Saft abziehen. Er ist dann trüb wie ein trüber Apfelmost und bleibt auch so in der Flasche.

Ich gehe davon aus, dass die Reb- bzw- Traubensorte auch beim Orange-Wein für die Aromen eine grosse Rolle spielt. Hier war es eine südfranzösische Cuvée aus Macabeu (= Viura) und Muscat Petit Grains:

  • Olla Blanc
  • Domaine Matassa
  • Languedoc Roussillon, France

Der Geruch, also „die Nase“, war gewaltig. Mir kam es vor wie eine konzentrierte Parfümflasche. Muskat-Duft! Genau der gleiche wie bei meinem eigenen Muscat Bleu Wein. Da noch weitere Aromen rauszufiltern, war schwierig. Im Gaumen dann war das selbe Aroma wieder zu erkennen, aber sehr viel schwächer. Und für mich zuwenig Säure. Überhaupt etwas fahl der Geschmack. Die total trübe Farbe stört mich hingegen weniger. Es gibt ja auch trübere bzw. unfiltrierte Rotweine, nur merkt man das dort weniger, weil die Grundfarbe nicht so durchsichtig ist wie beim weissen.

Ich muss sagen: das Ganze war in einem Restaurant und da bin ich eh nicht genug konzentriert für die Degustation. Aber trotzdem das Fazit meines ersten Orange-Weines: fand es cool, das mal zu erleben; ist sicher besser als alkoholfreier Wein, wie oben beschrieben; subjektiv betrachtet brauche ich den Orange aber nicht zu meinem Weinglück. Zumal der Preis im gutsituierten Mittelstand lag.

….und noch was zum Restaurant, wo ich zum ersten mal „Orange“ trank

Rosa Pulver:

Ein Pop-up Schuppen im ehemaligen Zeughaus Winterthur. Die Grundidee ist wohl: kleine, nachhaltig produzierte Häppchen mit sehr schöner Optik, tollem Aroma und durchaus verrückten Ideen zu einer ganzen Mahlzeit zu kombinieren. Wahre Kunstwerke! Nur: es ist halt eigentlich eine Aneinanderreihung von besten Amuses Bouche. Deshalb bin ich nicht wirklich satt geworden. Billig ist’s auch nicht. Aber sie hatten meinen ersten Orange Wein. Deshalb wird mir der Abend in interessantester Erinnerung bleiben.

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